Unsere Kolumne: Unterwegs mit Drillingen

FullSizeRenderSeit ich Mutter der wunderschönsten Drillinge der Welt geworden bin, lerne ich, sobald ich das Haus verlasse, jede Menge Menschen kennen – in der Regel unfreiwillig. Meistens freundliche Menschen, manchmal weniger freundliche, niemals jedoch Teenager.

Teenager sind anscheinend die einzigen Mitglieder der Gesellschaft, an denen man mit einem Drillingskinderwagen vorbeifahren kann und nicht einmal eine Millisekunde Aufmerksamkeit erntet. Der Wagen könnte zusätzlich noch blinken und aus Lautsprechern „Zehn kleine Zappelfinger“ schmettern, Teenager würde das kalt lassen. Wahrscheinlich sind sie einfach zu viel mit sich selbst beschäftigt, Drillingsbabys sind ihnen herzlich egal. Ich schätze grob, es geht in Teenager-Köpfen um Jungs respektive Mädchen. Wissen kann ich es nicht (mehr), und Erfahrung mit Teenagern werde ich erst in knapp 13 Jahren sammeln. Dann aber geballt.

Aber zurück zu meinen neuen Bekannten. Oft sind es ältere Damen. Sie sind sehr nett und wünschen uns viel Glück. Neben den älteren Damen treffen wir Menschen, die Erfahrungen haben, entweder, weil sie selbst Zwilling sind oder Kinder haben oder weil sie jemanden kennen, der jemanden kennt, der schon mal Zwillinge kannte. Oder gesehen hat. Drillinge allerdings nicht. Da würde man dann doch mal gerne gucken. Oh süß. Gleich drei! Eine gewisse Enttäuschung macht sich breit, weil: Die sehen ja aus wie alle Babys. Aber sehr lieb, und dann auch noch beides: ein Mädchen und zwei Jungs. Schön! Nach Ansicht der einen Hälfte der Passanten hat es meine Tochter gut, weil sie zwei Brüder hat. Der anderen Hälfte tut sie leid, wegen der Brüder. Ich selbst habe den Eindruck, die Kleine ist sehr zufrieden, und es mangelt ihr bereits im Babyalter keineswegs an Durchsetzungsvermögen.

Müttern mit Kindern im Alter bis zum Ende der Kindergartenzeit tue ich meistens leid. Mütter mit älteren Kindern verklären die Situation und finden es wunderbar. Ich glaube, die schlafen bereits wieder länger als vier Stunden am Stück.

Die weniger freundlichen Begegnungen äußern Bestürzung, und am meisten nerven die wirklich überflüssigen Fragen nach der Entstehungsgeschichte der Kinder. Vielleicht mache ich mir demnächst mal den Spaß und frage eine Mutter an der Supermarktkasse hinter mir auch mal wie ihre Kinder gezeugt wurden. Vielleicht lasse ich es auch.

Seit ich den Drillingskinderwagen in den Keller verbannt und einen Zwillingswagen plus Tragehilfe oder eine Begleitung plus Einzelwagen habe, lerne ich nicht mehr ganz so viele Menschen kennen. Aber dafür bin ich flexibler, es ist ein Traum. Kleine Treppchen, Aufzüge und auf dem Gehweg parkende Autos lassen mich seither kalt. Ich kann sogar Trambahn fahren.

Sollte ich noch einmal vor der Entscheidung stehen, ich würde mir erstmal keinen Drillingskinderwagen mehr kaufen. Bekanntschaften schließt man auch so noch genug. Und diese kleinen Stückchen wiedergewonnener Flexibilität im Alltag sind das größte Glück einer Drillingsmama.  Letzte Woche habe ich beim Shoppen in der Babyabteilung eine Mutter mit nur einem Baby gesehen. Das Baby saß in der Babyschale, die Babyschale auf einem kleinen handlichen Minigestell. Ich habe mir vorgestellt, wie sie mit ihrem Kleinwagen flott in der Tiefgarage des Einkaufszentrums eingeparkt, ihr Baby samt Schale auf das Minigestell geklickt hat und dann einfach losgegangen ist.

Einfach losgehen – davon träume ich seit ein paar Monaten. Aber wenn ich mich so umhöre, hat das gar nichts mit der Anzahl der Kinder zu tun, denn davon träumt wohl jede Mutter. Und im Moment warte ich vor allem auf das Ende des Winters, wenn wir wenigstens nicht mehr gefühlt die Ausrüstung einer mittleren Polarexpedition anlegen müssen, bevor wir das Haus verlassen, um neue Bekanntschaften zu knüpfen…

Kathrin_Kolumne
Katrin ist stolze Mama von Drillingen, die ihr Leben seit dem allerersten Ultraschallbild ordentlich auf den Kopf stellen. Aufgewachsen im schönen Chiemgau, lebt sie heute mit den drei Kindern und ihrem italienischen Ehemann im Münchner Westen.

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