Unsere Kolumne: Umzug mit Drillingen

Umzug mit Drillingen

Umzugskartons

Umzüge sind der Horror. Das weiß jeder. Umzüge mit neun Monate alten Drillingen sind schlimmer als jeder Horrorfilm, sie sind quasi wie alle Teile von „Nightmare on Elmstreet“ und danach noch eine Runde „The Ring“ im japanischen Original. Kann sein, dass ich übertreibe, aber nur ein bisschen.

Aber unsere Freunde und Familien würden den Horrorfilm-Vergleich sicher teilen. In deren Alpträumen kommen jede Menge Kisten vor: Kisten mit Büchern, Babysachen und Zeug. Zeug von einer fünfköpfigen Familie, die viel öfter ihren Keller ausmisten sollte. In meinen Horrorvisionen kommen auch Kisten vor. Leere Kisten und volle Kisten. Dahinter, dazwischen, aber zum Glück nie darunter:

Drei Babys, die sich entschieden haben, pünktlich vorm Umzug mobil zu werden und Zähne zu kriegen. Was zur Folge hat, dass ich zum allgemeinen Umzugsspaß auch noch damit beschäftigt bin, flüchtige Babys einzufangen, ineinander verkeilte Babys zu trennen und zahnende Babys zu trösten. Außerdem in meinen persönlichen Alpträumen: Ein Leben ohne Freunde und Familie, denn die werden sich wahrscheinlich von uns distanzieren, aus Angst, wir könnten demnächst wieder umziehen.

Am Tag des eigentlichen Umzugs habe ich alle Babys in mein praktisches Familienauto gepackt und sie zu meinen Schwiegereltern gefahren. An jeder roten Ampel hat mindestens ein Baby zu meckern begonnen, sie hassen rote Ampeln. Ich selbst habe geflucht, weil mein Mann mein Handy entkoppelt hat und ich keine Ahnung habe, wie man es wieder zurückkoppelt. An den roten Ampeln konnte ich mich nicht damit beschäftigen, da musste ich meinen Kindern etwas vorsingen, damit sie zu meckern aufhören. Den Kindern ging es an diesem Tag, glaube ich, super.

Meine Schwiegermutter hat sie stolz im Viertel rumgefahren, um sie herzuzeigen. Und in der schwiegerelterlichen Wohnung liegen viele bunte Teppiche, die fanden sie großartig, viel spannender als den langweiligen Parkettboden daheim. Einer meiner Söhne hat beinahe eine Schraube aus der Teppichleiste gedreht (er ist ziemlich angetan vom Pinzettengriff), aber ansonsten hätten sie sich benommen, meint mein Schwiegervater. Ich hoffe, er hat nicht wieder versucht, seinen Cappuccino mit den Enkeln zu teilen.

Die erste Nacht im neuen Kinderzimmer war auch so ein bisschen zu aufregend, das Einschlafen war kompliziert. Das Schlafen an sich auch. Aber wir sind ziemlich geübt und haben ein ausgeklügeltes Rotationssystem, das es allen Babys ermöglicht, im trostspendenen Elternbett schlafen zu dürfen. In der zweiten Nacht war dann wieder alles beim Alten. Das Einschlafen war kompliziert, die Nacht ebenfalls, aber nicht mehr für alle drei Babys gleichzeitig.

Seltsamerweise hat der Umzug neben ein paar vereinzelten grauen Haaren in den Bartstoppeln meines Mannes (wir finden seinen Rasierer nicht mehr) ein großes Mysterium mit sich gebracht: Die Schnuller sind ständig verschwunden, wir sind schon froh, wenn wir abends drei Stück finden und kein weiteres kompliziertes Rotationssystem ausklügeln müssen. Aber wir arbeiten bereits daran.

Kathrin_Kolumne
Katrin ist stolze Mama von Drillingen, die ihr Leben seit dem allerersten Ultraschallbild ordentlich auf den Kopf stellen. Aufgewachsen im schönen Chiemgau, lebt sie heute mit den drei Kindern und ihrem italienischen Ehemann im Münchner Westen.

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