Unsere Kolumne: Babymomente mit den Drillingen

Drillinge

Babymomente für die Ewigkeit

Heute morgen habe ich mir etwas vorgenommen! Wenn ich einmal alt und grau bin, gemütlich auf der Terrasse meines Altersdomizils sitze und mich auf den Besuch meiner erwachsenen Kinder freue, dann werde ich mich an genau diesen Moment erinnern: Ich sitze mit wüster Frisur und fleckiger Jeans in der Küche. Die Flecken auf meiner Hose setzen sich aus durchweichten Hirsekringeln, Apfel-Birnen-Kompott mit Reisflocken und Babysabber zusammen.

Vor mir drei wild mit den Beinen wackelnde oder an ihren jeweiligen Söckchen kauende Babys in ihren Stühlen. Die Söckchen befinden sich dabei entweder schon im Mund oder noch halb am Fuß – da war der Transfer in den Mund noch nicht erfolgreich. Oder ich war einfach schneller, oder der zermatschte Hirsekringel in der Faust war einfach besser.

Hinter mir auf dem Tisch: Leer gekratzte Schüsselchen mit Apfel-Birnen-Kompott und von Fencheltee-Apfelschorle durchweichte Lätzchen. Auf den vor Sabber glänzenden Lippen der Babys klebt noch das ein oder andere verschmähte Globuli gegen Zahnungsbeschwerden, im Stirnbereich (und an den Socken) klebt Kompott und ziemlich pappige Reste von Hirsekringeln.

Und wenn ich die drei Beinchenwackler gleich aus den Stühlen hole, kleben an mindestens einem Hosenboden noch mindestens zwei halbzerlutschte, pappige Hirsekringel. Wenn ich demnächst mal etwas kleben muss, aber keinen Kleber finde, dann lasse ich einfach eines meiner Kinder an einem Hirsekringel lutschen. „Basteln mit Hirsekringeln“, das könnte ein Riesenerfolg auf dem Buchmarkt werden, endlich wüssten Millionen Mütter, was sie mit den pappigen Resten anfangen sollen. Außer sie schnell selbst im Mund verschwinden zu lassen. An den Erfolg des Buches könnte ich dann anknüpfen mit dem zweiten Teil: „Kreative Geschenke aus Reiswaffelresten“.

Wenn ich also vielleicht Bestsellerautorin von Ratgebern, aber hoffentlich alt und grau bin, dann denke ich an diese Momente zurück, das habe ich mir fest vorgenommen. An die Momente, in denen mir die Ohren klingeln, weil drei Babys gleichzeitig schreien, während zwei versuchen auf meinen Schoß zu krabbeln und die Dritte gerade entrüstet am Türgitter rüttelt und dabei gefährlich in Rückenlage gerät.

Ich werde mich daran erinnern, dass man sich als junge Mutter immer den nächsten Entwicklungsschritt, den nächsten Zahn, die nächste Windelgröße, die größere Kleidergröße wünscht. Aber dann doch alles viel zu schnell geht (vor allem mit Drillingen).

Noch kann ich mir nicht vorstellen, dass diese drei Hirsekringelgourmets einmal keine Babys mehr sind, dass sie einmal nicht mehr quengeln, weil sie auf meinen Arm wollen. Ich kann es mir noch nicht vorstellen, dass sie nicht mehr am frühen Morgen in ihren Bettchen sitzen oder stehen und mich entrüstet anplärren, in Erwartung des ersten Fläschchens.

Ich versuche diese Momente zu speichern, weil die Zeit irgendwann vorbei sein wird. Die Zeit, in der diese drei Kinder Babys sind. Und ich bin mir sicher, die Zeit ist jetzt zwar oft anstrengender als alles, was ich bisher erlebt habe – aber ich werde diese Babymomente dennoch vermissen. Wenn auch vielleicht den Teil mit dem Geplärre aus drei hungrigen Kehlen am frühen Morgen etwas weniger als andere. Aber jetzt schau ich mal nach, ob der nächste Zahn endlich zu sehen ist und pule danach die Hirsekringel von den Babyhosen.

Kathrin_Kolumne
Katrin ist stolze Mama von Drillingen, die ihr Leben seit dem allerersten Ultraschallbild ordentlich auf den Kopf stellen. Aufgewachsen im schönen Chiemgau, lebt sie heute mit den drei Kindern und ihrem italienischen Ehemann im Münchner Westen.

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